Das Ziviljustizgebäude

Das Ziviljustizgebäude in Hamburg ist Teil des Justizforums in Hamburg, einem Ensemble von drei Gebäuden am Sievekingplatz. Steht man frontal vor dem Kuppelbau des Oberlandesgerichts, dann befinden sich rechts das Strafjustizgebäude mit Amts- und Landgericht und links das Ziviljustizgebäude ebenfalls mit Amts- und Landgericht.

Das Ziviljustizgebäude, das man – wüsste man es nicht besser – glatt für ein Schloss halten könnte, wurde 1898-1903 von dem Architekten Hans Zimmermann geplant. Zimmermann war unter anderem auch verantwortlich für den Bau des Strafjustizgebäudes, des Museums für Kunst und Gewerbe und das Krankenhaus Eppendorf (heute Universitätsklinikum). Vor Fritz Schumacher war er von 1872-1909 Baudirektor in Hamburg.

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Eingangsbereich mit den vier Juristen.

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Das Gebäude besteht aus sandsteingegliedertem, gelblichen Backstein. Die vier Bronzefiguren über dem Eingang zeigen bedeutende Hamburger Juristen:

  • Vincent Moller (1560-1621), er war 22 Jahre lang Bürgermeister von Hamburg. (In dieser Zeit galt Hamburg als die größte Stadt Deutschlands.)
  • Matthäus Schlüter (1648-1719) Ratsherr (1648 endete der 30 jährige Krieg und Rembrandt befand sich auf dem Höhepunkt seines Schaffens.)
  • Georg Arnold Heise (1778-1851) erster Präsident des Oberappellationsgerichts der vier Freien Städte in Lübeck. Das Oberappellationsgericht war der Vorgänger des Oberlandesgerichts. (1842 war übrigens der große Hamburger Brand!)
  • Hermann Baumeister (1806-1877) Präsident des Obergerichts und der Hamburgischen Bürgerschaft. (Er kannte bestimmt die Schöne Marianne, eine Gastwirtin in Eimsbüttel, die den Männern damals reihenweise den Kopf verdrehte.)

Keine 20 Jahre nach Errichtung des Gebäudes war es auch schon zu klein. Deshalb wurde zwischen 1927 und 1930 ein halbrunder Erweiterungsbau aus Backstein angebaut. Verantwortlich für diesen Bau waren Oberbaudirektor Fitz Schumacher und Baudirektor Johann Christoph Otto Ranck. Ursprünglich war in diesem Bau unter anderem das Grundbuchamt untergebracht. Noch heute heißt die große Halle „Grundbuchhalle“. Hier finden auch immer wieder Vorträge und andere Veranstaltungen statt. Es handelt sich dabei um eine Treppenhalle, mit kunstvoll anmutenden Treppenaufgängen. Das Gerüst ist aus Stahlbeton. Die Halle hat ein riesiges Glasoberlicht und die rundum laufenden Brüstungen sind aus Keramik (glasiert). Besonders fällt der fünf Meter hohe Brunnen ins Auge. Er wurde von Richard Kuöhl gestaltet.

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In der heutigen Zeit etwas ganz Besonderes ist der Paternoster in der Grundbuchhalle. Auf der Webseite „Die Welt von @kurzundknapp“ könnt ihr sehen, wo es sonst noch in Hamburg Paternoster gibt. Während der Öffnungszeiten des Gerichtsgebäudes ist der Paternoster frei zugänglich und wer noch nie mit einem gefahren ist, sollte es unbedingt einmal probieren. Man kann übrigens gefahrlos einmal ganz herum fahren. Hamburg hatte übrigens den ersten Paternoster außerhalb Englands, wo er erfunden wurde.

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Woher der Name kommt? Dazu gibt es bei Wikipedia eine tolle Erklärung:

Der Name Paternoster steht mit dem katholischen Rosenkranz im Zusammenhang, einer Zählkette für Gebete. Beim Rosenkranz folgt auf zehn kleinere Kugeln für die Ave Marias eine davon abgesetzte für das Vaterunser (lateinisch: Paternoster). Diese Zählkette ist früher auch als Paternosterschnur bezeichnet worden. Darüber hinaus nennt man auch die elfte Kugel, entsprechend dem dazugehörenden Gebet, Paternoster. Auf gleiche Weise sind bei einem Umlaufaufzug die Personenkabinen wie auf einer Schnur aufgefädelt. Die Bezeichnung wurde zunächst von Grubenarbeitern für die Lastenaufzüge verwendet, da diese dem Rosenkranz ähnelten.

Überhaupt gibt es bei Wikipedia einen tollen Beitrag über Entstehung und die Geschichte der Paternoster.

Eine lustige Sache habe ich noch: bei meinem Gang zur Grundbuchhalle habe ich folgendes Schild entdeckt:

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Offenbar hat der HSV Supporters Club hier (s)ein Büro.

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